Triberger Weg 40, 51063 Köln
+49 163 ThBoehm

„Verteidige Dein Netz“ vs. „Verteidige deine Presse“

Bereits vor einiger Zeit habe ich über die perfekt platzierte Werbung der „Verteidige Dein Netz“ Kampagne auf den Webpages von Verlagen berichtet. Jetzt haben die Verlage genug und gehen auf die 10 Fakten zum Leistungsschutzrecht von Google ein.

Allerdings geschieht dies beim VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) in einer Art, die mehr als unsexy ist. (Bild)
Google braucht 10 bunte Felder mit einem Statement und maximal 3 Sätzen, um jenes zu untermauern. Der VDZ benötigt die 10 Statements von Google in kursivem Text und lange Erklärungen um die Gegendarstellung zu untermauern. Manche Sachverhalte kann man mit Sicherheit nicht in 3 Sätzen darstellen. Allerdings sind die Texte am Ende doch eher ermüdend als interessant.

Einige Punkte sind in meinen Augen auch nicht wirklich schlüssig/richtig.
7) „Google unterstützt Presseverlage auf der ganzen Welt, ihre Onlineseiten zu vermarkten“

Google verzerrt ganz klar den Begriff der „Publisher“, denn in Googles Definition umfasst er quasi jeden, der Inhalte im Netz veröffentlicht und Adsense auf seiner Internetpräsenz verwendet, selbst wenn dies nicht im gewerblichen Ausmaß geschieht.

Laut der Definition von KlickSafe (Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz / Landesanstalt für Medien Nordrhein Westfalen (LfM)) liegt der VDZ leider falsch.

Die Abgrenzung zwischen kommerzieller und privater Nutzung ist im Einzelfall nicht immer einfach, zum Beispiel bei einem Blog mit rein privatem Inhalt, auf dem aber Bannerwerbung geschaltet ist. Schon durch wenige Werbeeinblendungen kann eine Webseite mit privaten Inhalten dem geschäftlichen Verkehr zugeordnet werden.

Besonders im Punkt 10 („Im Vergleich mit anderen Ländern hinkt Deutschland internetpolitisch hinterher.“), den mit Sicherheit 95% der Seitenbesucher nicht mehr lesen werden, wird das eigentliche Problem klar, wenn man sich den ersten Satz der Reaktion durchliest:

Bereits der Name der World Wide Web Foundation zeigt, dass dieser Organismus keineswegs neutral ist, sondern klar die Interessen der Internet-Firmen vertritt. […]

Allerdings vergisst der VDZ zu erwähnen, wie er auf die „World Wide Web Foundation“ kommt. Den Zusammenhang findet man erst, nachdem man sich die 10 Fakten von Google erneut angesehen hat. Dort wird dieser „Organismus“ (hat der VDZ das Wort „Krebsgeschwür“ per Thesaurus ersetzt? ^^) genannt, wobei als Quelle ein FOCUS Online Artikel genannt wird. Übernehmen also selbst Zeitschriftenverleger diese unseriöse Institution ohne einen Hinweis? Was sagt uns das über die seriösität von Zeitschriftenverlegern?
Übrigens ist der Artikel mit Google Werbung, die sich kaum vom eigentlichen Artikel abhebt, versehen und FOCUS ONLINE ist durch die Hubert Burda Media Holding Mitglied im VDZ.

ANYWAY, genau Punkt 10 ist der Grund für die Auseinandersetzung. Google vertritt die Interessen der Internet-Firmen und der VDZ die Interessen der Printmedien, wie das Wort „Zeitschriftenverleger“ impliziert.
Wen wundert es also, dass es so schnell keine Einigung geben wird?

Related Posts

Leave a reply